Stephan Kurr, geboren 1961 in Nürnberg, studierte zwischen 1983 und 1991 Kunst in Kassel und Nürnberg. Er war Meisterschüler und schloss mit dem Absolventenpreis der Akademie Nürnberg ab.

Beruflicher Werdegang:
Nach dem Studium formte sich die künstlerische Entwicklung um Fragen nach Produktionsbedingungen, Autorenschaft und einer öffentlichen Kunstpraxis.
Sehr schnell zeigte sich für ihn, dass die ökonomischen Verhältnisse sehr direkt auf die Möglichkeiten der Kunstproduktion einwirken:
Woher kommt das Geld? Was ist Kunst wert? Was hat das mit mir, meiner Herkunft und meinen Lebensbedingungen zu tun?

Partizipation:
Die Kunstpraxis von Stephan Kurr zeichnet sich durch seine Dialogbereitschaft und die Wechselwirkungen zwischen Autor und Nutzerinnen aus. Oft entstehen Kunstwerke im Austausch mit Kolleginnen, mit Kneipenbesuchern in Helsinki, einer Band in Cali, Kolumbien, einem Blinden in Hanoi, mit jugendlichen Roma aus Berlin, mit Angestellten eines Energieunternehmens, oder als Happenings im öffentlichen Raum, bei denen Menschen spontan mitwirken und selbst choreografieren können.
Für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin entwickelte er mehrere performative Formate im Stadtraum, bei denen die Anwohnerschaft die Protagonisten waren, die gleichzeitig ihren Umgebung kritisch erfahren und befragen sollten, um schließlich dem Senat vielfältige Bedarfe für eine Neuplanung des Stadtraums liefern zu können.
Er gab Seminare zum Thema „Partizipation“ an der Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg.
Aus der Vermittlung künstlerischer Themen erwuchs in der Lehre eine künstlerische Praxis der Vermittlung.

Kunst-am-Bau:
1992-93 reiste S. Kurr mit einem DAAD-Stipendium in den Jemen und studierte dort Bauornamentik. Seit dem gilt sein Interesse der Verschmelzung von Baukörper und Kunst.
Die Kunst-am-Bau für die Erwin-von-Witzleben-Grundschule und die Clay-Schule, beide in Berlin, entwickelte sich über Workshops mit Schülerinnen und Schule. Bei der Clay-Schule besteht die Besonderheit, dass die Kunst-am-Bau parallel zur Architektur in Auftrag gegeben wurde, wodurch im Lauf von 7 Jahren eine enge Zusammenarbeit mit den Architekten entstand und die Kunst im Baufortschritt mit den einzelnen Gewerken in den Baukörper implementiert werden konnte. Hier ist idealerweise die Kunst-am-Bau Teil des Gebäudes. Eine aus der Lebenswelt ihrer Nutzerinnen erwachsene und in diesen zurückgeführte Kunst ist das das Credo der künstlerischen Tätigkeit Stephan Kurrs.