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KUNST KOMMT VON KURR

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VITA
Sehr verehrte Frau Bürgermeisterin

Barbara Steiner
(1998)


(...) Kurr schlug ein Projekt zur Strukturierung des öffentlichen Raums vor, mit dem Ziel, "das Farbchaos auf Deutschlands Straßen einzudämmen". Das Postleitzahlensystem als weithin bekanntes und vertrautes Strukturierungsprinzip soll dabei als Farbcode dienen. Auf diese Weise würden bestimmte Postzustellbezirke eine jeweils eigene Farbe haben; jeder "Wechsel von einem Stadtteil in den anderen wird zum Erleben von Nuance, jede Stadt zu einem vollkommen eigenen Farbklang".

(...) Sein Vorschlag ist allumfassend, durch und durch rationalisiert und modellhaft für Gesamtdeutschland verbindlich. Das Prinzip könnte mühelos auf die ganze Welt ausgedehnt werden. Dem in sich schlüssigen und logisch nachvollziehbaren Farbaufteilungsschlüssel steht allerdings ein absurd wirkender Gesamtanspruch gegenüber.

(...) An die Stelle einer durch individuellen Stilwillen geprägten Form tritt eine durch gesellschaftliche Handlungszusammenhänge definierte. Gleichzeitig werden die (historischen und gegenwärtigen) Möglichkeiten von Kunst und deren Utopiegehalt überprüft. Die stete Produktion von Veränderungen, Widerständen, Befürwortungen, temporären Lösungen, stellt einen Angelpunkt in Stephan Kurrs Werk dar. Er agiert punktuell und flexibel. Kunst gerät zur Analyse des gesellschaftlich Machbaren. Im öffentlichen Raum angesiedelt wird dieses Interesse weithin sichtbar demonstriert. Die Sensibilität für das Denken in komplexen Mustern, Verhaltensweisen, Dispositiven, ermöglicht den Durchblick auf determinierende soziale Faktoren, seien es eigene oder fremde.