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KUNST KOMMT VON KURR

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VITA
Kunst kommt von Kurr

1999, René Straub

Als Kind habe ich mich gewundert über die runden Hütten an den Waldwegen oder über Bänke an bisweilen obskuren Plätzen – alle versehen mit einem gravierten Hinweisschild: "Gestiftet vom Verschönerungsverein". Es erschien mir sehr seltsam, daß jemand sich vornehmen konnte, die Wälder zu verschönern. Wenn ich heute von einem "Weltverschönerungsverein" WVV höre, staune ich nicht mehr, denn daß die Welt häßlich sei, gerade da, wo Menschen Hand an sie legten, ist ein Gemeinplatz, und so ist es einleuchtend, daß sich einige der Verschönerung des Häßlichen annehmen wollen.

Daß diese Aktivitäten auf einen Künstler zurückgehen, ist auch nicht weiter verwunderlich, denn Künstler sind oft hybride Wesen, die sich alles zutrauen. Der, von dem die Rede, ist heißt Kurr und auf seiner Visitenkarte steht: "Kunst kommt von Kurr". Das ist im echten Sinne des Wortes unverschämt und paßt zur Idee der Weltverschönerung, die ebenso unverschämt ist, weil wir alle wissen, daß Kunst die Welt nicht verschönern will. Ihr Programm heißt Durchdringung, nicht Verzierung. Durchdringung bedeutet aber in einer Welt, die in ihrer Gesamtheit nicht zu begreifen ist, die Produktion von Sinnangeboten, in dem selben Maße wie deren Zersetzung bis zur Auflösung. Diese Bewegung in beide Richtungen unterscheidet Kunst von Glaubensangeboten: Sie verspricht keine Hoffnung, allerdings auch keine Verzweiflung. Sie verspricht nichts, außer sich. Versprechung und Versprecher in einem. Das Angebot meint immer noch etwas anderes. Künstlerische Äußerungen gehen nicht auf in rationaler Sprache. (...)