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WORKS TEXTS german: Verdachtsmomente Und wäre die Liebe nicht Hakenschlagen (Kolja Kohlhoff) Den Horizont austarieren Do ut des Ich warte nicht Kunst kommt von Kurr (René Straub) Amateur seit 1998 Ich werde Künstler gewesen sein (mit Wolfgang Griep) Sehr verehrte Frau Bürgermeister (Barbara Steiner) Ohne Lobby Arbeiten über Geld Fehler '94 Zu einer falschen Zeit an einem falschen Ort geboren english: Suspicious Circumstances Darting from side to side (Kolja Kohlhoff) Nothing to talk about Leveling the Horizon Do ut des other languages: Do ut des (español) Overdocumenta (srpski) Poravnavanje horizonta (hrvatski) |
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Und wäre die Liebe nicht
(2004) Ein Grund, warum Kunst und Prostitution, zumindest von Seiten der Künstler, immer wieder miteinander in Zusammenhang gebracht werden, mag der ähnlich zwiespältige Umgang mit dem Markt sein. Spricht man bei Prostitution von käuflicher Liebe, so erzeugt diese Art der Formulierung ein klares Missverständnis: Käuflich ist nicht die Liebe, sondern nur eine Einzige ihrer Erscheinungsformen, der Sex. Ersetzt man den Bergriff Liebe, durch einen Verwandten Begriff wie zum Beispiel Freundschaft, wird die Diskrepanz zur Käuflichkeit deutlicher. Freundschaft ist nicht käuflich. Erkaufte Freunde sind keine Freunde, sie tun nur so als ob. Auch bei der käuflichen Liebe, kauft man die physische Erscheinung, nicht den Inhalt (1). Kauft man Kunst, kauft man ebenfalls die physische Erscheinung, nicht den Inhalt. Die Nutzung des Inhalts ist ähnlich wie bei der Freundschaft oder Liebe denjenigen vorenthalten, an die sich die Liebe richtet und die ihrerseits Aufnahmefähig und Aufnahmebereit sind. Sie können die Botschaft der Liebe (oder Kunst) empfangen. Andernfalls wird die Liebe weder erfahren noch wird sie erwidert. Besitzer von Kunstwerken besitzen ausschließlich die äußere Hülle. Auch hier ist ähnlich wie bei der "käuflichen Liebe" der Sprachgebrauch zu undifferenziert. Der Besitz von Bildern, Skulpturen, auch der von Kunstwerken ist möglich, von "Kunst" jedoch nicht.(2) Beschreibt doch der Begriff "Kunst" heute mehr denn je eine Erfahrung, was sich treffend in der volkstümlichen Frage äußert: "Und was ist hierbei die Kunst?" Um mit Duchamps Worten zu sprechen, spätestens seit dem 20. Jahrhundert ist die retinale Erscheinung des Kunstwerks nicht mehr identisch mit dessen Erfahrung als Kunst. Man könnte sagen, die Kunst hat sich vom Kunstwerk emanzipiert. Eine Art der Emanzipation, die sie sich auch in anderen Emanzipationsgeschichten des 20. Jahrhunderts widerspiegelt, – um auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zurückzukommen – vielleicht in der Vorstellung der "freien Liebe". Auch die dialogische Beziehung zwischen Kunstwerk und Betrachter nähert sich in der Duchampscher Perspektive dem gewagten Vergleich mit Geliebter und Liebendem an. Im Wortlaut Duchamps macht der Betrachter das Kunstwerk fertig (vollendet es). Es liegt also beim Betrachter zu entscheiden was und zwar was genau Kunst ist. (Oder ob es wirklich Liebe ist.) - freie Liebe - freie Kunst "Freiwilligkeit" und "persönliche Zuneigung" als Wesenselemente von Kunst veranlassten vermutlich Rudolph Steiner in seiner "Sozialen Dreigliederung", die Kunst einer Ökonomie des Schenkens zuzurechnen. Das Schenken als wirtschaftliches Handeln erscheint in unserer monetär geprägten Gesellschaft als paradox, doch auch in unseren hoch kommerzialisierten Gesellschaften sind immer noch 2/3 aller Tätigkeiten nicht an Geld gekoppelt, sondern entstehen aus freiem Willen und persönlicher Zuneigung (Pflegen zwischenmenschlicher Beziehungen, Erziehen der Kinder, Lesen oder Radio hören, das Bepflanzen des Balkons mit Geranien um der Schönheit willen oder zum Beispiel häusliches Abspülen). Diese Tätigkeiten haben aber selbstverständlich eine wirtschaftliche Auswirkung. (Nicht nach jedem Essen wird neues Geschirr gekauft.) Steiner sieht im Verkauf von Waren eine Bewertung von Gegenständen, im Verleihen von Arbeitskraft eine Bewertung von (Lebens)zeit, und als drittes Element wirtschaftlichen Handelns, im Schenken eine Bewertung der Freiheit. In der sozialen Dreigliederung versteht sich die kulturelle Produktion und damit das künstlerische Schaffen, als eine Ökonomie des Schenkens, im Gegensatz zu Arbeitnehmern, die ihre Arbeitskraft verleihen und Unternehmern, die ihre Produktion, z.B. gegen Geld tauschen. Ist Geld billig, lohnt es sich in teure, sprich hochpreisige Kunst zu investieren, da Kunst dann eine deutlich höhere Wertsteigerungswahrscheinlichkeit hat, bemerkte Chris Dercon (2004) auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Kunst und Markt in Berlin. Günstig ist dann leicht zu lagernde Kunst, deren Größe reziprok zum Preis steht. Klein aber teuer, statt groß und billig. Ökonomische Bewertungen schaffen Wertungen, die auf Bedeutung schließen lassen. Doch muss die Eigenständigkeit der Kunst in jedem Fall unter Beweis gestellt werden, und dazu gehört ähnlich wie beim Beruf des Priesters oder Richters Abgrenzung gegenüber der Käuflichkeit, schreibt Michael Hutter. Kunst gehört zu den Gütern, die anderen als denen, die sie produzieren und erwerben, nützen. Nutznießer sind die Betrachter, sie müssen nicht gleichzeitig Besitzer des Kunstwerks sein. Selbst Reproduktionen ermöglichen Kunstgenuss, Wissensakkumulation und Erkenntnis. Kunst ist, ähnlich wie die Wissenschaft, eine bedingungslose Vorinvestitionen. Jeder kann profitieren, der befähigt ist, aus dem Wahrgenommenen kulturelles, soziales oder wirtschaftliches Kapital zu ziehen. Liebe ist bedingungslos, verhält sich unökonomisch und wird außerhalb jeder Ökonomie erlebt. Sie kann jedoch jederzeit Ökonomien erzeugen. ________________ 1 Genaugenommen mietet man eine Physiotherapeutin oder –Therapeuten und zahlt ein Honorar nach Zeit und Leistungen. zurück 2 Die juristische Unterscheidung zwischen (Kunst) Besitz und (geistigem) Eigentum ist ebenfalls hilfreich. zurück |
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