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KUNST KOMMT VON KURR

Farbstrukturierung

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VITA


Farbliche Strukturierung des öffentlichen Raums
1996 (noch nicht realisiert)

Ziel ist es, das Farbchaos auf Deutschlands Straßen einzudämmen. Überparkte Innenstädte, verstopfte Autobahnen usw., sollen einen ästhetischen Wert bekommen, statt wie bisher einen hohen Prozentsatz des Gesichtskreises durch ungeordnetes Bunt zu verstellen.

Es wird eine einheitliche und logische Gestaltung der Autofarben vorgeschlagen. Als bereits bekanntes und dem Bürger vertrautes Strukturierungssystem, sollen die Postleitzahlen als Farbcode dienen. Dabei entsprechen die fünf Stellen der Postleitzahlen den fünf wichtigsten Farben. Es leitet sich ein einfach zu handhabender Farbcode ab: Stelle ist gleich Farbe, Zahl ist gleich Anzahl der Anteile der Farbe.

1. Stelle = schwarz
2. Stelle = weiß
3. Stelle = blau
4. Stelle = rot
5. Stelle = gelb

Beispiel: 07551 (Gera, Zwötzen)

kein Anteil schwarz
7 Anteile weiß
5 Anteile blau
5 Anteile rot
1 Anteil gelb

Dies ergibt für alle Fahrzeuge deren Halter ihren ersten Wohnsitz im Postzustellbezirk 07551 haben, eine einheitliche Lackierung in einem hellen Violetton.

Mit dem neuen Farbkonzept wird der öffentliche Raum zum Farbraum, der Wechsel von einem Stadtteil in den anderen wird zum Erleben von Nuance, jede Stadt zu einem vollkommen eigenen Farbklang.

(...) Kurr schlägt ein Projekt zur Strukturierung des öffentlichen Raums vor, mit dem Ziel, "das Farbchaos auf Deutschlands Straßen einzudämmen". (...) Sein Vorschlag ist allumfassend, durch und durch rationalisiert und modellhaft für Gesamtdeutschland verbindlich. Das Prinzip könnte mühelos auf die ganze Welt ausgedehnt werden. Dem in sich schlüssigen und logisch nachvollziehbaren Farbaufteilungsschlüssel steht allerdings ein absurd wirkender Gesamtanspruch gegenüber.

(...) An die Stelle einer durch individuellen Stilwillen geprägten Form tritt eine durch gesellschaftliche Handlungszusammenhänge definierte. Gleichzeitig werden die (historischen und gegenwärtigen) Möglichkeiten von Kunst und deren Utopiegehalt überprüft. Die stete Produktion von Veränderungen, Widerständen, Befürwortungen, temporären Lösungen, stellt einen Angelpunkt in Stephan Kurrs Werk dar. Er agiert punktuell und flexibel. Kunst gerät zur Analyse des gesellschaftlich Machbaren. Im öffentlichen Raum angesiedelt wird dieses Interesse weithin sichtbar demonstriert. Die Sensibilität für das Denken in komplexen Mustern, Verhaltensweisen, Dispositiven, ermöglicht den Durchblick auf determinierende soziale Faktoren, seien es eigene oder fremde.

Barbara Steiner

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